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Ich habe Anfang 2000 erfahren müssen, daß meine Tochter V. heroinabhängig ist.

Sie wohnte schon lange nicht mehr zu Hause, sondern war in einem betreuten Wohnprojekt untergebracht. Sie glaubte halt zuhause nicht mehr leben zu können und hatte deshalb diese Möglichkeit gewählt. Da sie zum damaligen Zeitpunkt schon volljährig war, hatte es der Betreuer auch nicht für nötig gehalten mich über ihren Zustand aufzuklären. Ich hatte ca. 1 Jahr keinen Kontakt zu ihr, da wir uns ziemlich überworfen hatten. Warum möchte ich hier jetzt aber nicht darlegen.

Also wie gesagt, ich erfuhr es durch Zufall und beschloss sofort sie aufzusuchen, was aber gar nicht so einfach war, da ich ihre neue Adresse nicht hatte. Der Betreuer weigerte sich auch mir diese mitzuteilen, sie sei ja schliesslich volljährig. Über Bekannte von V. bekam ich dann die Anschrift doch raus und fuhr sofort zu ihr. Wie es der Zufall wollte, kam sie gerade aus dem Haus und war natürlich mehr als überrascht mich zu sehen. Der Schock für mich war gross. Aus dem etwas pummeligen, sonst fröhlichen Mädchen war ein Schatten geworden. Sie wog vieleicht noch 48 Kg, hatte offene Pickel überall und sah einfach furchtbar aus. Ich nahm sie wirklich wortlos in die Arme und fragte sie dann nur: Wie schlimm ist es? Sehr schlimm, war die Antwort.

Die nächsten Stunden verbrachten wir unter Tränen und Reden. Als ich wieder nach Hause fuhr brauchte ich mehrere Tage um die Situation einigermassen zu verdauen. Das war im Februar 2000.

Es folgten Gespräche mit dem Betreuer, dem Sozialamt, Drogenberatungsstellen usw. Mittlerweile wurde auch das betreute Wohnen nicht mehr übernommen, da sie mehrere Rückfälle hatte. Ich hatte sie auch zeitweise bei mir.

Sie war zwischenzeitlich 6 mal in der Entgiftung und einmal sogar für einen Tag in der Therapie. Hier hatte sie aber gleich wieder abgebrochen, da sie mit den Regeln dort nicht zurecht kam. Inzwischen ist auch die Wohnung weggeflogen, da sie sich nicht mehr beim Sozialamt gemeldet hat. Sie wohnt mal hier, mal da. Ihre Klamotten sind zum grössten Teil in einem Schliessfach im Frankfurter Hauptbahnhof. Ich habe leider nicht die Möglichkeit V. zu mir zu holen, weil ich erstens räumlich sehr begrenzt bin und ausserdem noch eine Tochter gross zu ziehen habe. Berufstätig bin ich halbe Tage ausserdem.

V. hatte nach den Entgiftungen auch immer mal wieder Phasen in denen sie clean war. Das hielt aber meist nicht lange an. Wir haben uns die ganze Zeit über immer mehrmals die Woche getroffen oder zumindest telefoniert. Vor ein paar Tagen ist aber auch dieser Kontakt abgebrochen. Da sie mal wieder total verzweifelt anrief und auf Entzug war und meinte ich müsse sie sofort an einer Telefonzelle abholen und mit nach Hause nehmen. Als ich ihr sagte, daß dies nicht möglich ist, knallte sie mir den Hörer auf mit der Bemerkung "Wenn es dir mal schlecht geht,lass ich dich auch verrecken".

Das tut weh, aber ich sehe das mittlerweile nicht mehr so eng. Ich kann nun mal nicht alles stehen und liegen lassen, wenn es bei ihr brennt. Wer kann das auch. Ich weiss, daß sie meine Hilfe braucht und auch sucht. Ich kann ihr ihre Probleme nicht abnehmen, das erwartet sie aber. Ich bin immer bereit mit ihr zu sprechen und wenn nötig auch zu Terminen und ahnlichem zu begleiten. Ich kann ihr aber keine Unterkunft finanzieren,so gern ich das auch möchte. Und solange sie nicht selbst den ernsthaften Schritt tut ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, sind leider auch mir die Hände gebunden. Und ich hoffe natürlich, daß sie mich bald wieder anruft.

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